Alles auf Zimt!

Alles auf Zimt beim Naschmarkt am 1. Advent 2017

Es ist wohl das weihnachtlichste unter den Gewürzen: Zimt. Das sinnliche, wärmende, bisweilen würzige und feurige Gewürz steht im Mittelpunkt beim Berliner Naschmarkts am 3. Dezember 2017. Das beliebte Gewürz wurde im Deutschen früher auch „Zimmet“, „Cinnamom” oder „Canehl“ genannt. Der Wortstamm canna- findet sich in zahlreichen Sprachen.

Geschichte des Zimt-Gewürzes

Die Verwendung von Zimt ist seit Jahrtausenden in Indien, Ägypten und Griechenland in der Küche, aber auch als Heilmittel, Aphrodisiakum und Räuchermittel, bekannt. Bis ins Mittelalter kontrollierten arabische und venezianische Seefahrer den Handel von Asien nach Europa.

Nach der Kolonisierung des Inselreichs Ceylon (heute Sri Lanka) gündeten die Portugiesen im 16. Jahrhundert ihr ein kleines Zimt-Imperium. Der Streit mit den Niederländern um den lukrativen ostindischen Zimt führte schon bald zu einer Serie langer, blutiger Kriege zu Land und zur See. Die siegreichen Niederländer ließen den ursprünglich wild wachsenden Zimtbaum erstmals großflächig auf Plantagen anbauen.

Zimt steig in der Folge zu einem der begehrtesten Gewürze überhaupt auf. So soll der Augsburger Kaufmann Fugger Schuldscheine mit Zimtstangen verbrannt haben, um seinen Reichtum zu demonstrieren. Zuletzt hatte im 18. Jahrhundert das British Empire das Monopol auf den weltweiten Handel mit Zimt.

Wo kommt der Zimt her?

Der ursprüngliche, „echte“ Zimt stammt vom ostindischen Ceylon-Zimtbaum. Hochwertiger „Ceylon-Zimt“ kommt heute nach wie vor in erster Linie aus Sri Lanka, aber auch aus Sansibar und Madagaskar. Menschenrechtsorganisationen kritisieren immer wieder mangelnde Lohn- und Sozialstandards sowie Kinderarbeit im Zusammenhang mit der Zimt-Herstellung. Fairer und Bio-Zimt wird oft von kleinbäuerlichen Kooperativen gemeinsam mit Pfeffer, Ingwer und weiteren Gewürzen angebaut.

Heute kommt die etwas schärfere und würzigere „Zimtkassie“ in großen Mengen aus China, Indonesien und Vietnam. Cassiazimt gilt jedoch nicht als echter Zimt, sondern als eher minderwertig. Er wird auch „Holzzimt“ oder „Chinazimt“ genannt und zummeist von der Industrie eingesetzt. Vor allem in Cassiazimt ist viel natürliches Cumarin enthalten, das beim Verzehr in großen Mengen gesundheitsschädlich sein kann.

Bei der Zimt-Herstellung werden vom Zimtbaum die Rinden abgeschabt, die sich beim Trocknen zu den typischen Stangen zusammenrollen. Bei Ceylon-Zimt sind mehrer dünne Rindenschichten ineinander gerollt; bei Cassiazimt bestehen die Rollen aus einem Stück. Darüberhinaus wird Zimt gemahlen angeboten. Zimtöl wird zusätzlich aus Blättern und Zweigen der Bäume gewonnen.

Echter Ceylon-Zimt ist nur in begrenzten Mengen auf dem Markt verfügbar. In der Duftstoff- und Lebenmittelindustrie werden heute in großem Maßstab auch zimt-ähnliche Aromen aus synthetischer Herstellung erzeugt und genutzt.

Zimt in allen Küchen

In vielen Länderküchen spielt Zimt eine bedeutende Rolle. Oft ist Zimt Bestandtteil traditioneller Gewürzmischungen, z.B. Baharat oder im Lebkuchengewürz. Überwiegend werden süße Speisen mit Zimt gewürzt, etwa Kompott oder Milchreis, manchmal auch Tee, Kaffee oder Säfte. Zimt wird gerne auch bei Fleischgerichten vom Lamm oder Wild verwendet.

Kultstatus haben z.B. die schwedischen Kanelbullar, eine landestypische Variante der Zimtschnecke mit Hagelzucker obenauf.

Zimt beim Naschmarkt

Passend zur Jahreszeit steht beim Naschmarkt am 3. Dezember 2017 der Zimt im Mittelpunkt: Mit weihnachtlichen Lebkuchen, Plätzchen und Kekse, winterlichem Apfelstrudel und Zimtschnecken u.v.m.

Auch bei den Tastings im NaschLabor und in der Weihnachtsbäckerei für Kinder wird Zimt diesmal eine Hauptrolle spielen.

Sonst noch was?

Ja, die Zimtzicke. Der Ausdruck dient leider dazu, andere Menschen zu beschimpfen oder abzuwerten – nicht so schön! „Zimt“ bedeutete vor einigen Jahrhunderten zugleich „Geld“ oder „Gold“. Damals wurden mit dem Wort „Zimtzicke“ Frauen bedacht, die wegen angeblicher (finanzieller) Kleinigkeiten „meckerten“ und „herumzickten“. Es waren Frauen, die aufmüpfig oder widerständig waren, d.h. sich den jeweiligen Vätern, Männern, Autoritäten oder Herrschaften nicht bedingungslos unterordneten. Von der Frauenbewegung wurde das Wort deshalb positiv besetzt. Politisch aktive Frauen bezeichneten sich ganz bewußt als „Zimtzicken“. Auch hören heute noch viele Cafés, die in den 1980er oder 1990er Jahren eröffnet wurden, gerne auf den Namen „Zimtzicke“.