Fairer Kakao – faire Schokolade

Was du über fairen Kakao und Schokolade wissen musst

Kakaobohnen im Sack aus Belize

Alle mögen Schokolade, eine der beliebtesten Süßigkeiten der Welt. Und die Deutschen zählen mit 10 Kilogramm pro Kopf im Jahr zu den Weltmeistern des Schokoladenkonsums.

Der Rohstoff für Schokolade, wird vor allem in Ländern rund um den Äquator angebaut. Rund 70 Prozent des Kakaos kommen aus westafrikanischen Ländern: Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste), Ghana, Nigeria und Kamerun. In diesen Anbauländern wird vor allem Kakao für den Massenmarkt gewonnen, für die billigen Schoko-Tafeln in unseren Supermärkten. Aus anderen Regionen, vor allem aus Südamerika, kommen Kakaosorten für teurere Schokoladenprodukte.

Es sind in Westafrika vor allem Kleinbauern-Familien, die die Kakaopflanzen auf kleinen Flächen kultivieren. Der Anbau selbst ist aufwändige, mühselige Handarbeit. Die Kakaopflanze braucht sorgfältige Pflege, und das Risiko von Ernteausfällen durch Schädlinge ist groß.

Die reifen Kakaoschoten werden nach der Ernte mit Macheten geöffnet, um die freigelegten Kakaobohnen vor Ort über mehrere Tage an der Luft trocken und fermentieren zu können. Dieser Vorgang ist entscheidend für den Geschmack des Kakaos. Erst dann gelangen die Kakaobohnen über zahlreiche Stufen des Zwischenhandels in jene Länder, wo aus ihnen Schokolade hergestellt wird. Die Bauern und Bäuerinnen in den Anbauländern kommen in ihrem Leben so gut wie nie in den Genuss des Endprodukts ihrer Arbeit.

Die importierten Kakaobohnen werden zunächst geröstet, gepresst, zu Kakaopulver und Kakaobutter vermahlen und wird dann von der Süßwarenindustrie zu unterschiedlichen Produkten weiterverarbeitet.

Der Kakao- und Schokoladenmarkt ist global hochgradig konzentriert. Kakaohandel und -verarbeitung liegen in den Händen von drei Großkonzernen, die gut die Hälfte des Weltmarkts dominieren. Bei der Produktion von Schokolade wiederum beherrschen sieben Konzerne zwei Drittel des globalen Markts. Der Umsatz der Schokoladenindustrie beträgt netto rund 100 Milliarden US-Dollar im Jahr.

Dem stehen rund 5,5 Millionen kakaoproduzierende Bäuerinnen und Bauern gegenüber, deren Einkommen sich in den meisten Fällen unterhalb der Armutsgrenze bewegen. In Ghana etwa verdient eine Bäuerin im Schnitt 0,76 Euro am Tag. Von jeder Schokoladentafel, die in unseren Supermärkten für 1 Euro angeboten wird, erhält der Bauer nur 6 Cent.

Der Kakaopreis auf dem Weltmarkt unterliegt starken Schwankungen und ist den letzten Jahrzehnten deutlich gefallen. Diese Preissprünge auf dem Markt, aber auch Missernten sowie die Folgen des Klimawandels schlagen voll auf die Einkommenssituation der Bäuerinnen und Bauern durch, die kaum Planungssicherheit haben. Notwendige Investitionen auf den Plantagen unterbleiben daher oft, was abermals zu Einkommensverlusten führt.

Aufgrund der niedrigen Einkommen können viel Bauernfamilien keine weiteren Arbeitskräfte beschäftigen. Dadurch kommt es zum Einsatz der eigenen Kinder als unbezahlte Arbeitskräfte. Allein in Côte d’Ivoire und Ghana arbeiten rund 2 Millionen Kinder im Kakaoanbau. Vielfach werden Kinder von Kriminellen verschleppt und weit entfernt auf Plantagen eingesetzt. Die Kinder sind im Kakaoanbau schweren gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt und haben kaum eine Chance auf einen Schulbesuch. Nach wie vor nimmt die Kinderarbeit im Kakaoanbau zu, obwohl die Schokoladenkonzerne seit Jahren Besserung in Aussicht stellen.

Die Gier der Märkte nach immer mehr billigem Kakao hat auch zur Folge, dass die Böden in den Anbaugebieten ausgezehrt und unrettbar zerstört werden. Der Einsatz von Pestiziden stellt ein weiteres großes Problem dar.

Die kakaoverarbeitenden Unternehmen, die großen Schokoladenmarken, sind in der Pflicht, für die Menschen, die Kakao anbauen, ernten und weiterverarbeiten, Verantwortung zu übernehmen. Es geht um die Einhaltung von Menschenrechten, um menschenwürdige Bedingungen und um die Beseitigung sozialer und ökologischer Probleme entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

NGOs wie die europäische Initiative »Make Chocolate Fair!« fordern vor allem höhere Einkommen für die Kleinbäuerinnen und -bauern und sieht darin den zentralen Schlüssel für eine zukunfstfähige Entwicklung der gesamten Schokoladenindustrie, die die Menschnrechte im Anbau achtet. Einkommen müssen existenzsichernd sein, da heißt sie müssen alle Grundbedürfnisse der Menschen abdecken, auch die gesundheitliche Versorgung und Rücklagen für Notfälle, ebenso die Pacht, Kosten für die Arbeitsmittel, die Setzling, die Pflege der Kakaopflanzen, Zertifizierungen und notwendige Investitionen in eine nachhaltige, zukunftssichere Bewirtschaftung der Plantagen.

Die NGOs betonen, dass die weltweite Schokoladenindustrie sich endlich ernsthaft der Debatte um eine faire Entlohnung und um einen gerechten Kakaopreis stellen muss.

Immer wieder stellt sich die Frage, inwiefern Siegel helfen können können. Die wichtigsten Siegel sind Fairtrade, Rainforest Alliance und UTZ. Entgegen den Erwartungen vieler Verbraucherinnen und Verbraucher garantieren fair-zertifizierte Kakao- oder Schokoladenprodukte nicht zwingend existenzsichernde Einkommen. Dennoch decken die Siegel wichtige Standard ab wie z.B. die Wahrung internationaler Menschen- und Arbeitsrechte, das Verbot missbräuchlicher Kinderarbeit, die Verbesserung des Anbaus u.v.a.m. Sie sind wichtige Instrumente, um das Leben der Kakaobäuerinnen und -bauern zu verbessern, reichen aber nicht aus, um deren Existenz zu sichern.

Daher empfehlen wir: Wenn wir im Supermarkt Schokolade kaufen, sollten wir dennoch auf die entsprechenden Zertifizierungssiegel auf der Verpackung achten. Denn ein Siegel ist besser als gar keines!

Hier noch einmal die wichtigsten Forderungen im Überblick, die der Berliner Naschmarkt unterstützt:

– existenzsichernde Bezahlung der Kakaobauern und -bäuerinnen,
– ein Ende der Kinderarbeit,
– umweltverträglicheren Anbau,
– Transparenz bzgl. der Herkunft des Kakaos,
– faire Handelsbeziehungen.

Ausführliche Informationen zu fairem Kakaos und fairer Schokolade finden sich auf der Webseite der Initiative »Make Chocolate Fair!«, der auch Daten und Fakten für diesen Text entnommen wurden.